Habitat Schlern

"Habitat Schlern" - Flora und Fauna im Lebensraum Schlern

Projektträger

  • Habitat Schlern
  • Naturmuseum Südtirol;
  • Amt für Naturparke der Landesabteilung für Natur und Landschaft;
  • Landesabteilung Forstwirtschaft.

Rund 5100 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen

.In den Jahren 2006 und 2007 wurden im Schlerngebiet rund 5.100 Pflanzen- und Tierarten erhoben. Darunter sind 444 Arten, die erstmals in Südtirol und 128 Arten, die zum ersten Mal in Italien nachgewiesen wurden. Das sind die wichtigsten Ergebnisse des Forschungsprojekts. Dabei sind zusätzliche Neufunde im Rahmen der wissenschaftlichen Auswertung des gesammelten Materials durchaus möglich.

.Fachleute aus Deutschland, Österreich und Italien untersuchten im Schlerngebiet die Bestände von 24 Tier- und Pflanzengruppen: Schnecken, Hornmilben, Spinnen, Libellen, Heuschrecken, Zikaden, Ameisen, Bienen, Laufkäfer, Kurzflügelkäfer, Buckelfliegen, Schmetterlinge, Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel, Fledermäuse, das Haarwild, die Gewässerfauna sowie Blütenpflanzen und Farne, Flechten und die Moos- und Pilzflora.

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Das Ergebnis ist eindeutig. Der Naturpark Schlern-Rosengarten ist ein vielseitiger Lebensraum, mit einer unerwartet hohen Artenvielfalt. So zählten die Forscher im Untersuchungsgebiet über 224 Bienenarten, sowie 36 Heuschreckenarten, was jeweils mehr als 50 Prozent der bisher in Südtirol bekannten Arten entspricht. Ähnlich ist es im Fall der Schmetterlinge: 1030 Arten wurden nachgewiesen, das entspricht rund einem Drittel der bisher aus Südtirol bekannten Arten. Dokumentiert wurden fast 3.000 Tierarten - etwa 20 Prozent der im 1997 herausgegebenen Katalog „Die Tierwelt Südtirols“ aufgelisteten Arten.

.Bei den Pflanzen konnten viele seltene und verschollene Arten wieder bestätigt werden. „Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis“, erklärt der Leiter des Projekts, Willigis Gallmetzer. Auch der Hornmilben-Experte Heinrich Schatz spricht von einer „unglaublichen Artenvielfalt“. Ein Drittel aller in Italien bekannten Hornmilbenarten lebten am Schlern. Deshalb sei das Gebiet „ein Hotspot der Biodiversität“.

Aber auch Schattenseiten hat das Projekt zutage gefördert. Die intensive Beweidung beeinträchtigt den Artenreichtum auch im Schlerngebiet. So wurden dort zwar bemerkenswert viele Schmetterlingsarten gezählt – deren Populationsdichte ist aufgrund der intensiven Nutzung einiger Untersuchungsflächen als Weideland aber gering. Einige hochalpine Arten konnten deshalb nicht mehr nachgewiesen werden. Beeinträchtigt sind auch die hochgelegenen Moorlandschaften. Dort fehlten die typischen Mykorrhiza-Pilze.  Dafür traten Fäulnisbewohner auf. Ein für Hochlagen völlig unnatürliches Bild.

Es ist das erste Mal, dass in Südtirol in einem abgegrenzten Gebiet eine derart umfangreiche Bestandsaufna.hme durchgeführt wurde. Das Untersuchungsgebiet lag im Naturpark Schlern-Rosengarten und reichte von den Wäldern oberhalb der Gemeinden Kastelruth, Völs und Tiers  auf 1.000 Metern bis zu den alpinen Rasen auf dem Schlernplateau und den Schutthalden des Petz auf 2.500 Metern. Die Forscher erfassten die Tier- und Pflanzenwelt an 16 Standorten, die verschiedene Lebensräume darstellen. 2006 untersuchten die Wissenschaftler Fließgewässer, Stillgewässer, Feuchtgebiete, Fichten-Tannenwälder, Föhrenwälder, Dolomit-Felswände, stehende Gewässer, eine Lärchenweide und eine ehemalige Brandfläche in St. Zyprian/Tiers. 2007 standen dann sieben weitere Lebensräume in höheren Lagen auf dem Forschungsprogramm: Kalkschutt, Latschengürtel, Mähwiesen, Moore, alpine Kalkrasen, vulkanische Felsschichten und schattige Dolomitfelswände.

Ein wichtiger Aspekt des Projektes ist der Vergleich der erhobenen mit den in der Literatur bekannten Daten aus dem Gebiet. Ein solcher Vergleich lässt Rückschlüsse auf eventuelle Veränderungen in der Natur- und Kulturlandschaft zu. Die Forschungsergebnisse werden in der vom Naturmuseum Südtirol herausgegebenen Fachzeitschrift „Gredleriana“ und in den Datenbanken des Museums und des Amtes für Naturparke gespeichert. Darüber hinaus informiert im Mai 2008 eine Wanderausstellung in Bozen und in den Gemeinden des Schlerngebiets über das Projekt. Das Amt für Naturparke publiziert die Daten in einer Broschüre der Reihe „Unter der Lupe“.

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Mit Vorträgen, geführten Wanderungen und themenbezogenen Exkursionen wurden auch die Schulen des Schlerngebiets, sowie Einheimische und Touristen in das Projekt mit einbezogen. 2006 und 2007 fanden im Rahmen des Projekts im Schlerngebiet Veranstaltungen anlässlich des GEO-Tages der Artenvielfalt statt. In Tiers, Völs am Schlern und Kastelruth nahmen Wissenschaftler und Gemeindeverwalter zudem an Workshops teil.

Forschungsergebnisse (PDF-Dokument)

Lebensräume (siehe Karte)

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