Winterspeck und Pelzmantel

Überleben im Winter – biologische Hintergrundinfos für Lehrpersonen

Überleben im Winter:

Winterspeck & PelzmantelVom Winterschlaf des Siebenschläfers, der sieben Monate fest eingerollt in einem Nest liegt, haben die meisten schon gehört, ohne jemals diesen kleinen silbergrauen Bilch mit eigenen Augen gesehen zu haben. Auch von Fledermäusen und erst recht vom Igel ist bekannt, dass sie Winterschlaf halten uns auf diese Weise die kalte Jahreszeit ohne Nahrungsaufnahme überstehen können.

Schwieriger wird es schon beim Eichhörnchen. Jedes Kind weiß zwar, dass es im Herbst Vorräte für die kalte Zeit sammelt – aber, bleibt es wirklich den ganzen Winter über wach?

Und wo sind die vielen kleinen Tiere geblieben, wie Frösche und Kröten, Saftkugler, Marienkäfer, Ohrwürmer oder Raupen und Schmetterlinge? Noch in den letzten Herbsttagen konnte man sie krabbeln, hüpfen oder fliegen sehen. Dann sind sie auf einmal, kaum jemand hat es gemerkt, lautlos uns spurlos verschwunden. Wohin?
Schließlich gilt es herauszufinden, wie denn eigentlich Rehe, Wildschweine, Rotkehlchen und andere Tiere überleben, die den Winter weder schlafend noch ruhend, noch in einer Starre verbringen.

Winterschlaf

Zu den Winterschläfern unserer europäischen Tierwelt gehören neben dem Igel die Fledermäuse, Murmeltiere, Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmäuse. Sie schlafen viele Monate lang (je nach art von Oktober/November bis März/April oder sogar Mai). Während dieser Zeit laufen wichtige Lebensvorgänge nur noch äußerst langsam ab:
Die Körpertemperatur sinkt bis auf wenige Grade über Null, der Herzschlag wird stark verlangsamt und die Anzahl der Atemzüge drastisch reduziert, bei manchen Tieren auf weniger als einen pro Minute! Auf diese Weise verbraucht der Winterschläfer nur noch sehr wenig Energie, so dass sein gespeichertes Körperfett meistens den ganzen Winter hindurch ausreicht. Nur bei extremer Kälte, wenn die Körpertemperatur unter etwa 5° C abzusinken droht, setzt eine verstärkte Atmungs- und Herztätigkeit ein (das äußert sich z.B. in einem Wärmezittern), damit der Körper wieder ausreichend erwärmt wird. Ohne diese Regelung würde der Winterschläfer erfrieren. Bei manchen Tieren führt das Aufheizen sogar zu einem vollen Erwachen. Wenn sich ein solcher Kälteweckreiz, der mit einem hohen Energieverlust verbunden ist, zu oft wiederholt, können dabei die letzten Reserven aufgebraucht werden. Vor allem sehr junge und schwache Tiere sind dann gefährdet.

Winterruhe

Tiere wie Eichhörnchen und Dachs, die auch im Winter aktiv sind, aber Kaltwetterperioden schlafend in einem geschützten Nest oder Bau verbringen, halten keinen monatelangen Winterschlaf, sondern nur eine Winterruhe. Dadurch sparen sie Energie (weil sie sich ja kaum bewegen), ohne aber ihre Körpertemperatur nennenswert herabzusetzen. Bei milder Witterung sind sie unterwegs, um Nahrung zu sich zu nehmen. Das Eichhörnchen sucht dann seine Vorräte an Nüssen, Eicheln, Bucheckern und Zapfen auf, die es an verschiedenen Orten (gerne bei Steinen) versteckt hat. Bei anhaltender Kälte, Schnee oder Vereisung von Böden und Bäumen zieht es sich in sein kugelförmiges, mit Gras und Moos weich und warm ausgepolstertes Nest (Kobel) zurück, um dort mehrere Tage oder sogar Wochen zu schlafen.
Der Dachs legt keine Vorräte an. Er frisst, was er noch finden kann.

Winterstarre (= Kältestarre)

Bei einer Kröte, die monatelang scheinbar leblos in der Erde unter einem dicken und feuchten Baumstumpf verharrt, spricht man nicht von Winterschlaf, sondern von Winterstarre. Denn die Kröte gehört zu den wechselwarmen Tieren, die ihre Körpertemperatur immer der Außentemperatur angleichen: Bei Wärme sind diese Tiere beweglich, bei sinkender Temperatur aber werden sie immer langsamer und erstarren schließlich.
Wechselwarm sind alle Wirbellosen, Fische, Lurche (Amphibien) und Kriechtiere (Reptilien). Viele von ihnen müssen im Vergleich zu den echten Winterschläfern frostsichere Verstecke aufsuchen, denn der Mechanismus des Aufwachens und Aufheizens bei sehr niedrigen Außentemperaturen existiert bei ihnen nicht. Wird es in ihrem Versteck also drastisch zu kalt, droht ihnen der sichere Erfrierungstod.
Während sich die heimischen Frösche vorwiegend im Bodenschlamm der Teiche eingraben, suchen Erdkröten und Teichmolche unter feuchten Totholz oder Laub Schutz vor Frost. Auch Feuersalamander, Blindschleichen und Eidechsen überdauern den Winter in frostgeschützten Bodenverstecken oder tiefen Erdhöhlen, oft in großer Anzahl steif und starr übereinander liegend. Würde strenger Frost die Verstecke dieser Tiere erreichen, käme es zum Kältetod.
Die Kältetoleranz der wechselwarmen Tiere ist aber sehr unterschiedlich.. Während manche arten schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt geschädigt werden (z.B. der Regenwurm oder die genannten Lurche und Kriechtiere) und für sie deshalb frostsichere Verstecke lebensnotwendig sind, können andere Arten erstaunlich niedere Temperaturen ertragen. Insekten z.B. bilden oft vor dem Winter Frostschutzmittel (Glycerin). Deshalb finden wir Schmetterlinge, wie Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs, nicht nur zusammengefaltet im Gebälk des Dachbodens oder im Keller, sondern auch draußen in Mauer- oder Mäuselöchern, obwohl dort die Temperatur nicht selten weit unter den Gefrierpunkt sinkt. Manche Arten, wie der Zitronenfalter, hängen sogar frei und schutzlos im Gebüsch. Die meisten Schmetterlingsarten aber überwintern als Ei, Raupe oder Puppe oder fliegen, wie der Admiral, in den Süden.
Saftkugler und ihre Verwandten können wir noch bis Ende Oktober, je nach Witterung auch bis in den November hinein unter morschem Holz entdecken. Zur rechten Zeit verkriechen sie sich aber, wenn sie noch im Herbst sterben, in tiefer liegende Erdschichten oder suchen gut isolierte Stellen mitten in weichen, dicken Baumstämmen auf. Auch manche abgestorbene, hohle Stängel verschiedener Pflanzen, wie Bärenklau oder Holunder, werden zur Herberge. Nicht selten lassen sich in ihrem Inneren Spinnen, Asseln oder Ohrwürmer entdecken. Schon die Vorstellung, dass sich in diesen "Hochhäusern" am Wegesrand die verschiedensten kleinen Lebewesen befinden, ist beeindruckend!
Und wo bleiben die Marienkäfer in der kalten Jahreszeit? Wer sie im Frühjahr gesucht hat und beobachten konnte, aus welchen Verstecken sie ans Licht krabbelten, weiß bereits, dass sie sich besonders gerne unter verwelkten Pflanzen und Laub , in oberirdischem, lockeren Wurzelwerk oder unter loser Rinde verkriechen. Deshalb sollte man verwelkte Pflanzen im Herbst, wenn überhaupt, nur so weit abschneiden, dass noch ein Büschel über dem Boden stehen bleibt. Auch Laub auf Beeten oder unter Hecken ist kein "Schmutz". Im Gegenteil: Unter der isolierenden Blätterschicht suchen neben den Marienkäfern noch viele andere kleine Tiere Versteckmöglichkeiten.

Wach durch den Winter

Nun ist zu verstehen, warum man alle die Tiere, die dem Winter durch Winterschlaf, Winterruhe, Winterstarre oder auch Wegziehen ausweichen, nur selten oder gar nicht zu Gesicht bekommt. Aber nicht zu vergessen sind all jene Tiere, die im Winter jeden Tag auf den Beinen sind: Rehe, Hirsche, Füchse, Wildschweine, Hasen und Kaninchen, Mäuse und Vögel. Wie werden sie mit der lebensfeindlichen Jahreszeit fertig?
Ein dichtes, gut isolierendes Fell bzw. aufgeplustertes Federkleid und/oder auch eine dicke Speckschicht helfen vor Wärmeverlusten. Auch halten sich diese Tiere an kältegeschützten Orten auf und bewegen sich möglichst wenig, um Energie zu sparen (weshalb häufige Beunruhigung durch Beutegreifer oder Menschen und die damit verbundene Flucht den Energieverbrauch drastisch erhöhen und lebensbedrohlich sein können). Ein allzu hoher Energieverbrauch können sich winteraktive Tiere deshalb nicht leisten, weil die Nahrung ja sehr knapp geworden ist und man seine Energiereserven also nicht so schnell wieder auftanken kann.
Wie verschiedene Tierarten die kalte Jahreszeit überstehen- ein leicht abgeänderter Text aus "Natur erleben das ganze Jahr- 2" (Natur-Verlag WAWRA, 1999).

Spiel: Wer bin ich?

Die Lehrperson wählt einen Tier-Steckbrief aus und liest ihn Punkt für Punkt langsam vor. Jeder Punkt gibt den SchülerInnen einen weiteren Hinweis auf das gesuchte Tier. Wer erkennt das Tier schon nach zwei Punkten und wer braucht mehr Hinweise? Ab welchem Hinweis ist es eindeutig klar, um welches Tier es sich handeln muss?
Hinweis: SchülerInnen, die das gesuchte Tier erkannt haben, rufen nicht einfach in die Runde, sondern halten sich schweigend den Finger auf die Nase, als Zeichen, dass sie das Tier bereits erraten haben.
Tipp: Die SchülerInnen können bereits in der Schule (Bibliothek oder INTERNET) selber verschiedene Tier - Steckbriefe (natürlich mit Schwergewicht auf die jeweilige Überwinterungsstrategie) entwerfen, mit denen dann in der Gruppe gerätselt werden kann.